Wo der Milan fliegt

(anno 1986)

 

Der Milan hebt schweigend aus dem Farn, stößt schwerfällig in Himmelsbläue wo vorher Wolken Wasserfässer schleppten, die sie auf/unter Farne kippten; nun Regennebel aus grünbehängten Knüppeln zur Sonne kriechen, die mit geöffnetem Rachen immer durstig. Für morgen bleibt noch ’ne Menge im schmaddrig schmatzenden Ur-Wald. War nie was andres wie. Auch wenn einer graben wollt: erst Wachsweiches, dann Steine, plumpes Zeug, oder kann wer was mit anfangen? Eine Goldader träumt nicht mal vom Hiersein? Milan schwang ab in die Ungestörtheit oder sitzt irgendwo spähend im Augustgelbgrün? Nicht die Spur Fleckgefieder im kleinen Ausschnitt vom, ins Ungewisse ziehende, wo bis ans Ende noch keiner und wenn einer hinwollte, käme er/sie nie zurück auf diese Lichtung, so friedlich, heimelig eines deutschen Herz teuer ist, wegen dem Gemüt.

 

Die Sonne wirft einen Faden, spult ihn ab bis zum Abend, ahnt Jott, stapft durch die nasse Soße. Hinter Wäldern Mähdrescher flink eine Kompanie Leute ersetzt, die früher mit den Händen, gekrümmten Wirbelsäulen schweißtriefend Garben grabschten. Schon liegt das kahlgeschorene Feld im Westen. Der See, an dem Jott langgeht, am Schilf mit Wasservögeln, aber sich nicht sehen lassen, die wären schön dumm, bei den vielen un(ge)sichern Zeitgenossen, und hinterüberunterm See, der an Osten grenzt (geographisch), weil im Westen das Feld, im Osten die Sonne aufgeht, lernten wir als Kind und Gott tut es lenken. Vom Westen immer zielstrebig Sonnenaufgang, kommst du, weiß Jott, wenn ich gehe-schwimme oder mit’m Ruderboot: aber besser nicht! Bin schon wieder an so’m weißen Blechlappen! Jaja, geh schon, eure Kot-Staatsgrenze; schlag mich rückwärts in’n Dschungel, will nur’n paar Wasservögel, weil die anderswo kaum noch zu sehn. Halt! Halt? Werde mich hüten – sowelche brüsten sich, daß vom Osten die Sonne her. . .!