Milan / Seite 2

Milanen müsste ich – fliegt hüber und nüber, kleckert auf alles ohne Ausnahme. Jott will schreinschreinschrein, hört das (k)einer? Nur es hallt in den Wald, übern Seesee… Sense, hüben – hier werfen die den Hammer, würgen den Mäher ab; der Altbauer oder Jung- fährt zum Haus und Hof, schaut was SIE macht, verdreckt und durstig wie das von der Arbeit.

Wenn Jott nun weiter drei Richtungen im Fuße und die eine im Auge: die östliche, die Jott nicht anlatschen–, stoßen, kriechen, husten, pinkeln, reden- und/soll, da die ne grimmige deutsch-deutsche Staatsgrenze, bleiben noch Süden, Norden und Westen. Soll das genug sein? Eine zu wenig! Was kann der Grenzverkehr? Wo Opa hinterm See staatseigene Feldfrüchte gülledüngt, und Jott bloß’n Duft verweht kriegt. Als ich vor zehn Jahren den Weg (im Winter kahl) an’n Ostzaun stieß, auf’n metallbeschlagnen Ast: nicht durch das Fernglas des Wanderers, genau vorm Kopp den Gewehrkolben!  Ging nochmal ab ohne Schuß im Schutzstreifen: wie Aug in Auge! Jaja, wo sie Tote wegsammeln und Lebenden das Leben nehmen, ist Zelten und Übernachten auch verboten.  

 

Wo Kraniche routen, der Milan sein Auskommen hat, Haubentaucher tauchen, Reiher schwingen, Seeadler fischen – in der ungestört (verminten) Idylle, die bleiben könnte wie: sie das Leben vieler Tiere ab-sichert. Und das wegen dieser Sperranlagen, die’n mehrfachen Stacheldrahtverhau, Gräben, Granaten, Stolperdrähte, Warn- und Selbstschußanlagen, Wachtürme, Erdbunker, Beobachtungsposten, Lichtsperren, Hunde-Laufanlagen. Schlau haben Wildtiere sich eingenistet, Passieren alle Hindernisse, nutzen die „Ruhe“ zum Überleben.