Milan / Seite 3

„Artenschutzgrenze“ – zirka-tausenddreihundert-km (nach Festlegung des Londoner Protokolls), ge-waltende, aber wie frei von Gewalt ist sie? überlegt Jott, guckt hin auf’n See/Erdstreifen, der verplant, einbezogen ins „System zur Zerstörung feindlicher…“ . Wenn die Kampfsituation hier nichts, da weniger flexibel, nur ’ne Bodensache und birst in Bruchteilen von Sekunden. L a n g   doch ist das hoffentlich noch mit der Ruhe im Grenzland! Still liegt es in der Abschirmung. Der Bussard miaut überm Käfig: Teutsch gegen Teutsch!

Obgleich drüber garantiert Satelliten flitzen, mal eine Raumstation ankert? Kurz und schlecht: wenn das richtig mit’m Krieg der Sterne losmacht, passt auf, Grenzschützer-Ideologen, könnt nichts mehr – was in und mit euren Köpfen dann.

 

Jott wandert im achten, noch Sommermonat, zu dem bald unbesiegbare Mächte kommen, alles was runter fällt und sonst nicht kann, einzusammeln, um in die Gruft; doch jetzt ist das schön wie der Busch hinten frühherbstlich lodert, Hummeln ihre Nester bauen, Weidenröschen in den vielfädigen Nachsommer blühn, der in gebrochenen Tönen – als wollt der Duft sich in den Winter spinnen  – aber nachts quillt Mond aus’m Gewölk, läutet den August fort aus FeldWaldWieseundSee; Uferschwalben, bestimmt hundert, sitzen auf Strom- und Weidendrähten, nochmal soviele jagen im italienblauen Himmel, der alles und alle verzaubert, wie’s aussieht.

 

Jott biegt in die Landstraße nach Z., wo der Bauer G. am Ende vom Ort, und seine Scheune im Todesstreifen klemmt. Was für’n Betrieb (Sonntags) am Schlagbaum! sieht Jott als er sich einen Appel vom Baum, der an der Straße, und kaut. Der Güstrower, ehmals Knecht, erteilt den Ausflüglern Auskunft, wie das hier, was für Besonderheiten die Lage, daß Sturmgeschütze und Panzerwagen griffbereit auf der andern Seite… als er zwei Westler vom Schild ruft, das im Schilf dräut: „Achtung Staatsgrenze!“ (wiederkäut).